Wer und warum?

Manchmal muss aus der Asche der Vergangenheit etwas neues entstehen. Für einige Jahre zeigte ich hier unzählige Fotos aus eigener Hand, Schnappschüsse, Erinnerungen an bessere Zeiten, Eindrücke, skurrile, schöne und einzigartige Momentaufnahmen aus meinen Begegnungen mit dem Leben um mich herum. Grosse Bildersammlungen zeigen, was ein Fotograf kann und welche Motive ihn interessieren, in nur sehr wenigen Fällen aber, warum er in einem bestimmten Moment auf den Auslöser drückte und ein Bild in eine Sammlung aufnahm. Ich habe aus diesem Grunde alle alten Sammlungen gelöscht und ersetze sie nunmehr durch Beschreibungen zu einigen wenigen, manchmal auch nur einem einzigen Bild, was mir durch den Kopf ging und geht, wenn ich sie betrachte und warum sie mir besonders wichtig sind. Ich fotografiere nicht professionell, auch verdiene ich mit meinen Fotos kein Geld, somit ist es auch nicht immer offensichtlich, warum ich den Auslöser betätigte und das Produkt hier zeige und beschreibe. Meine Fotos bieten einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt, wenn ich mit der Kamera die Welt erkunde oder sie bewusst verzerrt abbilde. Mit diesen Einzelbetrachtungen möchte ich Ihnen meine Welt ein klein wenig näher bringen. Ich erwarte nicht, dass Sie sie verstehen. Aber ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Sinne offen behalten für eine etwas andere Sicht auf manchmal banale, manchmal aber auch sehr persönliche oder irritierende Dinge. Einige der Fotos sind nachbearbeitet, andere unverändert, wieder andere sind Konstrukte aus einzelnen Aufnahmen, kombiniert mit zusätzlichen Elementen aus Fotografie und Grafik, es sind also nicht immer und ausnahmslos „normale“ Fotografien. Diese Werke sind ebenso Teil meiner Arbeiten und somit auch Beispiel dafür, wie ich gewisse Dinge sehe, empfinde und interpretiere, auch wenn die klassische Fotografie dabei lediglich unterstützend zum Tragen kam.

Ich habe nie eine anerkannte Ausbildung zum Fotografen absolviert. Das grundlegende Wissen vermittelte mir bereits in jungen Jahren mein Vater, später eignete ich mir weiter führendes Wissen rund um die Fotografie, Kameratechnik, digitale Bildbearbeitung und -manipulation autodidaktisch an. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich keine Kamera mit mir führe, sie sind meine ständigen Begleiter. So kommen sie auch ab und an innerhalb meines Berufes zum Einsatz, vorwiegend aber nutze ich sie in der Zeit, in der meine Sinne frei von beruflichen Pflichten leben, dann sind sie die Erweiterungen meiner zuweilen nicht ganz gewöhnlichen Wahrnehmung.

Jens Liedtke
22.7.2018