Porto

Zugegeben: Manch ein Sonnenaufgang wirkt schon etwas arg kitschig, wenn er im Bild fest gehalten wird. Aber dieser Sonnenaufgang über dem Herzen von Porto erschien mir nicht kitschig, sondern einfach nur wunderschön. Wie das mit solchen Städten nun einmal ist: Lediglich am frühen Morgen kehrt hier mal sowas wie Ruhe ein, prompt erwachte ich. Ich ging in das Wohnzimmer jenes sehr ansprechenden Hotelappartements, schaute auf den Hafen. Ich musste sofort kehrt machen und meine Kamera einrichten, so einen Anblick würde ich kein zweites Mal in meinem Leben zu sehen bekommen! Während ich an Stativ, Kamera und Objektiv herum schraubte, suchte ich den besten Blickwinkel, das richtige Licht, das Maximum an Farben, Reflektionen, Details, hastig wanderten meine Blicke zwischen Technik und Naturschauspiel hin und her und es dauerte eine kleine Zeit, bis ich, der ohne Kaffee und Frühstück am Morgen so ziemlich nichts hin bekommt, diesen Anblick eingefangen hatte. Ich wusste einfach, dass ich den richtigen Moment erwischt hatte, dass es mir gelungen war, dieses Schauspiel, so, wie es sich mir an jenem Morgen dargeboten hatte, genau so einzufangen, wie es meine Augen gesehen hatten. Dieses Bild ist eines der ganz wenigen Beispiele dafür, dass sich Schauspiel, Anblick in meinen Augen und Interpretation in meinem Kopf vollkommen fehlerfrei entsprechen. Sicherlich ist es aus technischer Sicht kein perfektes Bild, aber ich fotografiere auch mitnichten perfekt (auch wenn ich zuweilen sehr viel technischen Aufwand betreibe). Ich bilde ab, was ich gesehen habe und wie ich es gesehen habe; in so ziemlich jedem Bild, welches ich erstellt habe, ist eine Spur meiner Gefühls- und Wahrnehmungswelt enthalten, in diesem Bild aber ist es die perfekte Wiedergabe dessen, was ich in jenem Moment gesehen habe. Was nicht auf diesem Bild zu sehen ist, meine Empfindungen in jenem Moment aber um ein Vielfaches verstärkt hat: Im Schlafzimmer nebenan ruhte der Mensch, mit dem ich diese Reise nach Porto damals unternahm, in tiefem Schlaf. Die Gesamtheit jener Sekunden ergab für mich ein Beispiel für die unendliche Schönheit eines Morgens, an dem alles zueinander passte, sich ergänzte, gleichmässig miteinander harmonierte und mir daher die Möglichkeit gab, all das im richtigen Moment einzufangen.

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