Notausgang

Manchmal fallen mir Dinge auf, die auf den ersten Blick skurril erscheinen, aber auf den zweiten Blick dann zuweilen doch einen gewissen Sinn in sich bergen, so auch bei dieser „Beschilderung“ für einen Notausgang auf einem Campingplatz in Katalonien. Dieser Campingplatz hatte keinen Zaun und auch kein Zufahrtstor, man konnte ich an nahezu allen Stellen ungehindert betreten und verlassen. Er war von einigen wenigen Strassenlaternen ausgeleuchtet, von denen eine am Rande des Platzes stand. Auf dem Schutzgehäuse dieser Lampe war ein Aufkleber angebracht: „Sortida D’Emergència“ – „Notausgang“. Ich habe keine Ahnung, ob diese Art der Notausgangsbeschilderung in Katalonien üblich ist und irgendwelchen Vorgaben entspricht, allerdings erscheint es mir etwas abwegig, einen solchen Hinweis weit oben anzubringen, der somit nur dann relativ gut und schnell sichtbar ist, wenn es dunkel ist und vor allem die Lampe funktioniert (was sie nicht tat). So oder so: Als ich den Auslöser betätigte, fiel mir auf, dass mein Blick an der Lampe vorbei in den Himmel führte. Der Himmel als Notausgang? Sicherlich eine von vielen Möglichkeiten in einem Notfall. Dann aber auch die letzte und vor allem eine ohne Alternativen. Aber warum nicht? Manchmal ist die Welt, die wir nicht so ohne Weiteres erreichen können, eine Art Notausgang für die uns umgebende, in der sich gerade Notfälle ereignen. Ich bin zwar christlich erzogen worden, aber ein Christ im klassischen Sinne bin ich schon lange nicht mehr. In einigen Punkten zutiefst religiös bin ich aber geblieben. Vielleicht ist das der Grund, warum ich den Himmel in seinen so unendlich zahlreichen Erscheinungen so gerne ablichte.

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