Nebel

Ich liebe Nebel! Dicken, schweren, zähen Nebel – kann ich gar nicht genug davon bekommen, auch wenn die nasse Kälte manchmal bis auf die Knochen kriecht! Es muss irgendwann an einem Morgen im Spätherbst gewesen sein, als ich mit meinem Tram an den Stadtrand von Zürich fuhr. Je weiter ich in Richtung Stadtrand fuhr, umso dichter wurde der Nebel, die Sichtweite verkürzte sich, alles verlor sich in der Unendlichkeit vor mir. Das Erscheinungsbild passte zu meinem Gemütszustand, meine Gedanken verloren sich schon den ganzen Tag in tiefgründigen Fragen, immer wieder neue, unzählige Fragen, die wohl niemals beantwortet werden, triste, trübe, traurige Gedanken, die mich schon eine ganze Zeit lang heim suchten.

Nebel ist manchmal frisch gefallenem Schnee sehr ähnlich, insbesondere, wenn es ein sehr dichter ist. Alles klingt „gedämpft“, die Lichter werden von unzähligen Tropfen aufgebrochen und reflektiert, um jede Lampe leuchtet ein ganz eigener Schein und die Reichweite des Lichtes wird vermindert, die Lichtstrahlen wandeln sich in kleine Sonnen, die punktartig in der Nebelwolke vor sich hin glühen. Es wirkt auf mich manchmal, als würde Nebel alles dazu bringen, sich auf sich selbst zu konzentrieren, den Raum um einen selbst herum auf das reduzieren, was wirklich notwendig ist, ohne einzuengen oder einzusperren. Im Nebel sehe ich meine Umwelt in dem Licht, welches unter dem der Realität verborgen ist, Nebel wirkt zuweilen auf mich wie ein Übergang in die Welt, die neben der, die ich tagtäglich sehe, existiert, sich aber versteckt, eine Parallelwelt.

Ich schaue den winzig kleinen Wassertropfen sehr gerne zu, wie sie in der Luft schweben, sanft ihre Richtung ändern, ohne festes Ziel.

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