Licht ist weiblich

Es war der Morgen des letzten Tages, bevor wir die Heimreise antreten wollten. Wir hatten zuvor eine Zeit im Süden Frankreichs verbracht. Wir hatten viel gesehen, erlebt, erkundet und entdeckt, sollten sehr viele schöne Erinnerungen mit uns nehmen. Es war eine sehr gute Zeit und obwohl die Unterbringung so einige Fragezeichen in mir hinterliess, fühlten wir uns in unserer Zweisamkeit, von der ich zumindest damals felsenfest überzeugt war, sie würde nie ein Ende nehmen, allenfalls zwischenzeitlich auf die Probe gestellt werden, im wahrsten Sinne des Wortes glücklich. Die Sonne war gerade aufgegangen und drängte behutsam aber bestimmt durch das Türfenster in unser Schlafzimmer. Die Strahlen fielen auf ihre Konturen, die Formen eines weiblichen Körpers, der im klassischen Sinne nur wenigen „üblichen“ Schönheitsidealen entsprach, aber in der Gesamtheit jener Frau, die dort am frühen Morgen neben mir lag, in sich vollkommen schlüssig und in sich ruhend wirkten, eine natürlich mit dem Alter gewachsene, nicht künstlich modifizierte Schönheit. Es war einer jener Momente, die mir wie eine kleine Unendlichkeit erscheinen, alle Schönheit des Lichtes in jenen Minuten verschmolz mit der Schönheit dieser Frau, die in diesem Augenblick nur ich sehen konnte, verstand und liebte. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass Licht eine weibliche Natur hat und eine Frau, die in einem solchen Moment sich selbst glücklich fühlt, eine ganz besondere Form von Licht ist, ein Licht, welches man ab und an auch um schwangere Frauen „sehen“ kann. Auch wenn aus dieser Zweisamkeit keine gemeinsame Zukunft entstand, so schaue ich mir dieses Bild immer mal wieder sehr gerne an. Noch heute kann ich mich an jenes Licht erinnern, ich habe den Duft dieses Momentes noch sehr deutlich in meiner Nase, kann mich an den Klang des Raumes in jenem Moment erinnern, an diese Frau, deren Schönheit mir in jenem Moment einmal mehr bewusst wurde, als das Licht der aufgehenden Sonne ihren Körper berührte, mit ihm und meiner Wahrnehmung spielte und ihn wärmte.

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