Kurze Freundschaft

Es war eine besondere, ungewöhnliche und schöne Begegnung, die mir jene Border Collie Dame zuteil werden liess, als ich mich auf einer kleinen Wanderung in der Nähe der Kleinstadt Baar befand. Ich hatte spontan mich dazu entschlossen, mir die Höllgrotten anzusehen, leider aber waren diese noch geschlossen, also machte ich mich auf den Weg zu der nahe gelegenen Ruine Wildenburg. Auf dem recht wilden Weg dort hin begegnete ich keiner Menschenseele, herrliche Ruhe schwebte durch diesen so schönen Wald und ich hoffte, dass ich die Ruine eine Zeit lang für mich alleine haben würde. Aber wie das in der Wanderungsfanatischen Schweiz nun einmal so ist, befand sich bereits eine kleine Gruppe von zwei Frauen und vier Kindern dort, die zuvor die in der Ruine installierte Grill-Anlage benutzt hatten. Also machte ich einen Rundgang um diese Ruine, suchte Bildmotive ohne die anwesenden Menschen, als auf einmal jene Border Collie Dame in meiner Nähe auftauchte und um mich herum streunte. Sie gehörte wohl zu jener Gruppe, aber sie hatte offensichtlich mehr Interesse an mir. Während ich mit meiner Kamera in der Gegend herum visierte, war sie immer in meiner Nähe, beschäftigte sich aber mehr mit dem Unterholz, als direkt mit mir. Vollkommen unerwartet, als ich ein Motiv in meinem Sucher anpeilte, stupste sie mich mit ihrer Schnauze an und forderte eine Streicheleinheit ein. Sie schaute mir unablässig in die Augen, verfolgte alle meine Bewegungen. Die Gruppe kümmerte sich nicht um jene besondere Hunde-Dame und so wunderte es mich auch nicht, dass sie mich ein kleines Stück des Weges begleitete, als ich mich wieder auf den Heimweg machte.

Aber nach einer gewissen Zeit blieb sie immer noch in meiner Nähe! Sie war bereits ungewöhnlich weit von ihrer Gruppe entfernt, aber es wirkte immer deutlicher so, als dass sie sich dazu entschlossen hatte, bei mir zu bleiben. Wann immer ich stehen blieb um etwas zu fotografieren, blieb auch sie stehen schaute nach mir und wartete geduldig darauf, dass die Reise weiter gehen würde. So gingen wir noch ein kleines Stück weiter und ganz ehrlich gesagt hätte ich sie gerne noch länger bei mir gehabt, aber natürlich ging das nicht, sie gehörte mir ja nicht! Aber ihr freier Entschluss und die Art, wie sie mich begleitete, beeindruckten mich sehr, bereicherten diese schöne Wanderung um eine vollkommen unerwartete Komponente. Auf einer kleinen Holzbrücke sprach ich sie an. Sie setzte sich hin und schaute mich unablässig an. Mit leisen Worten und einer langsamen Handbewegung versuchte ich ihr zu verdeutlichen, dass ich sie – leider – nicht mitnehmen würde und wo „ihre“ Gruppe war. Prompt schaute sie mich, wie es nur Hunde können, mit einem etwas traurigen Blick an, aber dann trottete sie in die entgegen gesetzte Richtung. Ein paar Mal noch blieb sie stehen und schaute in meine Richtung.

Eine kurze, wunderschöne Freundschaft!

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