Katalanische Tristesse

Im Frühjahr 2011 verschlug es mich in die katalanischen Hochebenen, weit ab von Barcelona entfernt. Das Katalonien, welches man hier vorfindet, wird in kaum einem Reiseführer näher beschrieben und das wohl aus gutem Grunde. Es gibt kaum Sehenswürdigkeiten und generell sind hier die Lebensräume des Menschen in einem teilweise erbarmungswürdigem Zustand. In so einem Zustand befand sich auch die Mischung aus Campingplatz und Ferienressort, welches ich mehr durch Zufall am Strassenrand fand. Wahrscheinlich war es irgendwann gegen Ende der siebziger oder zu Beginn der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts errichtet worden. Sicherlich aber war es seit seiner Erbauung nicht mehr auf Vordermann gebracht worden, praktisch alles wies die üblichen Spuren eines sehr langsamen Zerfalles auf. In dieser Gegend überhaupt eine Anlage dieser Art zu errichten, erschien mir als eine absolute Schnapsidee, in der gesamten näheren Umgebung gab es de facto nichts, was einen gesonderten Besuch Wert gewesen wäre. Alles das hatte Züge einer Geisterstadt, es waren nur sehr wenig Urlauber in dieser Anlage anzutreffen und noch weitaus weniger Personal. Mehrere Gebäude dieser Anlage waren im Laufe der vergangenen Jahre umfunktioniert worden, offensichtlich ohne wirtschaftlichen Zugewinn zu generieren. In dieser höchst eigenartigen Atmosphäre verbrachte ich einige wenige Tage, in denen ich zu Fuss die nähere Umgebung erkundete und auf verschiedenen Wegen wieder in die Anlage zurück fand. An einem jener Tage zogen schwere Wolken über die Hochebene, ohne einen Tropfen Regen von sich zu geben, ein Wetterphänomen, welches in dieser Gegend um Lleida nicht unüblich ist. Ich kam an jenem Überrest von „Hinweisschild“ vorbei, welches ich bei meiner Ankunft von der Strasse aus erblickt hatte. Von dem in grossen Metallbuchstaben an einem Gerüstkonstrukt montierten Wort „CAMPING“ waren nur noch fünf übrig geblieben: „MPING“. „Made in China?“ dachte ich still bei mir und betrachtete für eine Weile dieses Metallkonstrukt, wie es sich im Wind der schweren Wolken bewegte.

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