Fahle Morgendämmerung

Im Sommer 2012, als sich einmal mehr abzeichnete, dass sich sehr vieles sehr grundlegend für mich und mein Leben ändern würde, fuhr ich für ein paar wenige Tage nach Slovenien. Ich besuchte ein Festival, an welchem verschiedene Metal-Bands ihr mehr oder minder nachvollziehbares Können zur Schau trugen. So richtig anfreunden konnte ich mich damit nicht, denn „typische“ Metal-Musik ist irgendwie nicht meins. Aber da ich mich ohnehin schon in einer sich permanent verändernden Situation befand und ich grundsätzlich offen für mir bis anhin Unbekanntes bin, gab ich mir dieses Experiment. Wie es sich für ein Festival dieser Art gehört, wird irgendwo auf einem Feld campiert. Allein die Vielzahl der Unterbringungsvarianten auf solchen Festivals wäre eine gesonderte Beschreibung wert gewesen, aber das soll hier nicht Bestandteil der Bildbetrachtung sein. An einem jener Tage wachte ich sehr früh auf, lange, bevor die anderen Besucher auch nur im Traum daran dachten, irgendwelche Lebenszeichen von sich zu geben. Es waren wenige Minuten der Stille, bevor wieder der alles betäubende Krach dieser „Musik“ das Tal in Slovenien beschallen sollte, all die vorwiegend schwarz gekleideten, langhaarigen Fans dieser Musik lauschten noch friedlich und mehr oder minder tonlos an ihren Luftmatratzen.

Ich zog mich an und trat aus dem Zelt. In diesem Moment brach die Sonne über die Kante der Baumwipfel. Die tief hängenden Wolken nahmen ihr die Wärme, ihr Licht erschien mir fahl, fast künstlich, unnatürlich. So hatte ich die Sonne bis dahin noch nie gesehen. Für einen kurzen Moment erschien sie mir wie ein Blitz von einer grossen Explosion, deren Schall noch nicht bis zu mir gedrungen war. Die ganze Szenerie wirkte kalt, leblos auf mich. Und dennoch wohl vertraut, bekannt, fast schon freundlich. Ein kurzer Schauer lief mir über den Rücken und ich zog den Reissverschluss meines – selbstredend schwarzen – Pullis bis zum Hals zu.

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