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Hyères ist ein für die Region der Côte d’Azur recht typisches Städtchen mit zahlreichen verwinkelten Gassen, uralten Bauten, sehr romantischen kleinen Plätzchen und recht „französischen“ Franzosen, ein klein wenig avantgardistisch, aber dazu später mehr. Im vierten Jahrhundert vor Christus liessen sich hier griechische Seefahrer nieder und machten die von ihnen gegründete Siedlung „Olbia“ zu einem der ersten Handelsplätze an diesem Ende des Mittelmeeres. Zwischen 963 und 964 wird Hyères erstmalig unter diesem Namen erwähnt, unter anderem auch die bis zum heutigen Tage in Betrieb befindlichen Salinen. Nach endgültiger Vertreibung der Sarazenen im Jahr 972 stand Hyères fast ausnahmslos unter Verwaltung verschiedener kirchlicher Institutionen, entsprechend zahlreich sind Bauten mit religiösem Hintergrund im Stadtbild auszumachen, so auch der eigenwillig anmutende Templerturm, eine Mischung aus Kirchenschiff und Wehrturm, erbaut im elften Jahrhundert nach Christus durch den Templer-Orden, der in dieser Zeit in nahezu dem gesamten Mittelmeerraum von Spanien und Frankreich seine Blütezeit hatte. 1673 wurden die diesen Turm umgebenden Burgmauern abgerissen und das Gebäude zum Rathaus von Hyères umfunktioniert, als welches es bis ins Jahr 1913 genutzt wurde, danach fand es eine neue Bestimmung als Gerichts- und Ausstellungsgebäude. In Hyères gibt es auch sehr viele wunderschöne kleine Plätzchen und auch mehrere botanische Gärten, wodurch sich diese Stadt etwas von den anderen in dieser Region abhebt und hin und wieder auch als „blühende Stadt“ bezeichnet wird.
Hyères hat einige geschichtliche und kulturhistorische Besonderheiten zu bieten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entdeckten vor allem die Angehörigen der englischen Oberschicht diesen Ort als Tourismusziel, Hyères wird auch oft als Geburtsstätte des Tourismus in Frankreich und insbesondere an der Côte d’Azur bezeichnet. Ein gutes Jahrhundert später verlagerte sich aber dieser Luxustourismus zunehmend in Richtung Nizza, Cannes und Monte Carlo. Zahlreiche Weltentdecker, Schriftsteller, Maler und Lebemenschen liessen sich hier zumindest eine Zeit lang nieder und so stolpert man über einige recht bekannte Namen: Olivier Voutier (Seeoffizier und Entdecker der „Venus von Milo“), Edith Wharton (Schriftstellerin), Robert Mallet-Stevens (Architekt), Queen Victoria (selbsterklärend), Robert Louis Stevenson (Schriftsteller), Christophe Dal Sasso (Jazz-Musiker), Paul Berna (Schriftsteller), Gustav von Bonstetten (Schweizer Archäologe), Georgi Iwanov (russischer Poet), Yann Arthus-Bertrand (Fotograf) und viele andere. Einige grosse Radrennfahrer Frankreichs wurden ebenso hier geboren oder aber lebten eine Zeit lang hier, am bekanntesten aber dürften wohl die Namen Salvador Dalì und Luiz Buñuel sein. In dem Haus des Kunstmäzenenpaares Noailles drehten die beiden Künstler den Film „L’Age d’Òr“, der auch in jenem eigenwilligen Bau seine Uraufführung hatte und direkt darauf verboten wurde (und bis 1981 auch verboten blieb), zu blasphemisch und freizügig erschien der Gesellschaft jener Zeit dieses cineastische Werk. Da aber das Eherpaar Noailles selbst wohl recht freizügig lebte und sich gerne mit Künstlern jener Zeit umgab, avancierte die Villa Noailles schnell zu einem Zentrum der Avantgarde in dieser Region. Man kann die eigenwillige Villa, gestaltet nach den Ideen und Vorgaben des Kubismus und von Robert Mallet-Stevens erbaut, besichtigen, aber man sollte einen gewissen Sinn für die Kunstrichtung haben, insbesondere der Garten ist recht gewöhnungsbedürftig…
Es lohnt sich, durch die vielen kleinen Gassen zu schlendern und einen Blick in die zahlreichen kleinen Läden zu werfen. Natürlich bekommt man hier wirklich hervorragendes Olivenöl, die schönen Seifen aus Marseille, verschiedene Salze, Kräuter und Gewürze, süsse „Sauereien“ aller Art, Pastis und seit einiger Zeit sogar auch wieder Absinth. Aber auch sonst ist Hyères ein ausgesprochen schönes und malerisches Fleckchen. Lediglich der nahe gelegene Flughafen ruiniert das Gesamtbild ein wenig…
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