Porto

Kategorie: Welt
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Vielleicht hatte ich einfach Glück, diese Stadt noch im Jahre 2017 besuchen zu dürfen. Zu jenem Zeitpunkt befand sie sich im Umbruch, in einem Wandel, der nicht für alle dort lebenden Menschen von Vorteil sein dürfte. Porto entwickelt sich zu einem neuen Touristenmagnet, entsprechend wurde damals sehr viel in der stellenweise sehr herunter gekommenen Stadt, in der man überall immer noch vom Einsturz bedrohte und dennoch zum Kauf angebotene Ruinen finden kann, renoviert, modernisiert und saniert – fast ausnahmslos zum Vorteil des Tourismus, nicht unbedingt aber immer zum Vorteil derjenigen, die dort bereits seit sehr vielen Jahren lebten. Die Stadt des Portweins und des so genannten „grünen Weins“ am Fluss Douro ist ausgesprochen interessant, sehr verwinkelt und pittoresk. Man muss schon gut zu Fuss sein, will man diese Stadt in Portugal streunend erkunden und etwas von den Vierteln sehen, die in keinem Reiseführer erwähnt werden. Porto ist sehr hügelig und teilweise fallen die Ufer runter zum Fluss und in die Altstadt sehr steil hinab, aber dafür bekommt man einige sagenhafte Aussichten auf das Häusermeer. Es gibt wirklich unglaublich viel zu sehen, zu viel, um alles hier aufzuzählen, aber ein paar besondere Ecken möchte ich doch vorstellen. Besonders in der Altstadt am Hafen kann man die eigenartige Wohnarchitektur dieser Stadt gut begutachten. Die Häuser hier sind oft extrem schmal, selten breiter als die Haustür, über welche man die Häuser betreten kann. Im Grunde genommen bestehen hier die Altbauten aus einzelnen übereinander gestapelten Zimmern, die durch kleine Treppenhäuser miteinander verbunden sind. In so manch einer Strasse und Gasse reiht sich eine Haustür an die nächste, ohne Platz für ein Fenster dazwischen. Viele dieser Altbauten werden inzwischen miteinander verbunden, Zwischenwände heraus gebrochen, um breitere Zimmer zu gewinnen, die später als Hotel oder Restaurant genutzt werden, aus mehreren sehr schmalen einzelnen Häusern werden so neue, geräumigere. Immerhin kann man noch an den Fassaden erkennen, dass es sich einst um einzelne Häuser handelte. Der touristische Schmelztigel dieser Stadt befindet sich am Hafen. Auf der einen Seite dieses Hafens reihen sich zahlreiche Hotels und Restaurants aneinander, auf der gegenüber liegenden Seite befinden sich die weltberühmten Portwein-Brennereien namhafter Hersteller. Im Hafen und auf dem Douro verkehren noch viele alte Portwein-Schiffe, die nunmehr Touristen anstatt Portwein-Fässer herum schippern. Das wohl markanteste Bauwerk in jenem Hafengebiet ist die Brücke „Ponte Dom Luis I“, geplant von Theophile Seyrig, einem ehemaligen Geschäftspartner von Gustave Eiffel (dem Erbauer des Eiffelturms in Paris), mit welchem zusammen er zuvor die nahe gelegene Brücke „Ponte Maria Pia“ erbaut hatte. In diesem Gebiet lebt Porto die ganze Nacht hindurch, hier kann man viele Sprachen der Welt hören und die Seele bei gutem Wein und Essen baumeln lassen. Mit ein wenig Spür- und Forschersinn findet man in den zahlreichen Seitengassen vielleicht noch den einen oder anderen, nicht vollkommen von Touristen überlaufenen Geheimtipp und darf bei einem wahren Festmahl sogar dem „Fado“ lauschen, eine besondere, sehr schöne Art von Volksmusik dieser Region.

Natürlich gibt es in Porto zahlreiche Touristen-Buslinien, aber der spannendste und schönste Weg, Porto zu durchstreifen, liegt in der Verwendung der sehr alten Strassenbahnlinien. Sie führen in unterschiedliche Richtungen zu den markanten Ecken der Stadt, herrlich rumpelnd und schaukelnd, uralte mit Leder bezogene Sitze, Haltegriffe und Seile, Schubfenster in Holzrahmen – wahre Tram-Oldtimer!

Mit der Linie 1 gelangt man auch zu einem wunderschönen alten Leuchtturm, dem „Farol das Felgueiras“ an der Mündung des Douro in den Atlantik. Bei gutem Wetter hat man hier eine endlose Sicht auf das Meer in dem die Fischer die Nationalspeise, den „Bacalao“ (Kabeljau) fangen und in getrockneter und in Salz eingelegter Form in zahlreichen Varianten an allen Ecken der Stadt anbieten.

Wie das mit Touristenmagneten nun einmal so ist: Will man diese in Ruhe erkunden und geniessen, dann muss man früh aufstehen, will man vor der Zeit erscheinen, zu der die Touristen aus aller Welt mit endlosen Bus-Kolonnen angekarrt werden! So ist es auch mit den drei besonderen Punkten, die ich Ihnen hier kurz vorstellen möchte und die man meiner Meinung nach gesehen haben muss, wenn man Porto einen Besuch abstatten möchte. Erst in jüngerer Zeit hat sich in Porto ein neuer Architekturstil entwickelt, seit den zwanziger Jahren hat sich diesbezüglich nur sehr wenig getan und nur nach und nach entstehen wahre Meisterwerke moderner Architektur, die es problemlos mit den Bauten berühmter Architekten aus anderen Ländern aufnehmen können. Ein Bauwerk dieser Art ist das „Casa da Musica“, eine Konzerthalle, der man sogar eine eigens gestaltete Umgebung hat angedeihen lassen, sehr eigenwillig und nahezu futuristisch anmutende Atmosphäre, aber auch fantastisch zum Fotografieren geeignet.

Die zweite Attraktion ist die Buchhandlung „Lello“. Diese aussergewöhnlich schönen Geschäftsräume sind mehrfach von verschiedenen touristischen Publikationen ausgezeichnet worden und wirklich sehr sehenswert – aber kaufen sollte man dort nichts, die Buchpreise liegen weit über denen anderer Buchhandlungen der Stadt, auch werden ein paar Euro Eintrittsgeld verlangt (die bei Kauf eines Buches verrechnet werden). Man mag geteilter Meinung darüber sein, ob solche auf den Tourismus abzielende Eigenheiten gut oder schlecht sind, aber für ein paar eindrucksvolle Bilder sollte man aber allemal hierher kommen. Viel Platz hat man aber nicht und man muss sehr schnell beim Fotografieren sein, denn praktisch ab Geschäftsöffnung ist es hier bummsvoll.

Ähnlich einzigartig und schön ist das „Café Majestic“. Auch hier sollte man früh erscheinen, am besten noch vor der Öffnung, um noch einen einigermassen guten Platz zu erwischen und das sagenhaft schöne Ambiente bei wirklich gutem Kaffee und Gebäck zu geniessen. Ich mag solche Restaurationen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, sehr! Hier hätte ich noch sehr lange verweilen und Menschen beobachten können, aber Porto hat noch so viel mehr zu bieten.

Eine Besonderheit, die ich so bisher nur in Porto zu sehen bekommen habe, sind die Bauten, die mit besonders einzigartigen Kacheln im Fassadenbereich geschmückt sind. Vor allem Kirchen und kleinere Kapellen im Stadtbild sind an den Aussenwänden mit solchen uralten, handbemalten Kacheln versehen, aber auch so manch ein Wohn- oder Geschäftsgebäude trägt solche Unikate als Schmuck. Ich habe mich nicht genauer informiert, wann genau und aus welchem Grunde diese eigenwillige Gestaltung von Gebäuden in Porto seinen Anfang genommen hat, es ist einfach schön, nur anhand der Darstellung ungefähr erahnen zu können, wann diese bemalt und montiert worden sind. Man scheint diese alte Handwerkskunst auch bei neuen und renovierten Gebäuden wieder anzuwenden, an so manch einer Fassade sind neue Kachelbilder angebracht.

Für einen verlängerten Wochenendbesuch ist Porto allemal geeignet und auch zu empfehlen, allerdings sollte man sich darauf gefasst machen, dass hier die Preise für Unterbringung und Verpflegung in den kommenden Jahren rapide nach oben gehen werden. Trotzdem werde ich vielleicht mal irgendwann wieder hierher zurück kehren um nachzuschauen, was aus der schönen Stadt im Laufe der Jahre geworden ist.

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